Mit Mark Zuckerberg (Facebook), Eric Schmidt (Google), Jeff Bezos (Amazon) ist der „Internet-Gipfel“ nächste Woche in Paris prominent besetzt. Nicolas Sarkozy lädt zwar ein, die Finanzierung kommt von ungenannten Teilnehmern aus der Industrie.

„Auf Initiative von Monsieur Nicolas Sarkozy, den Präsidenten der französischen Republik und derzeitigen Präsidenten der G8 (…) haben diese entschieden, das Internet und das digitale Ökosystem auf die Agende des nächsten Gipfels zu setzen“, so heißt es in der Ankündigung zum jährlichen Gipfeltreffen der „Großen Acht“.

Dem Gipfel, der von 26. bis 27. Mai in Paris stattfindet, ist ein separates Event vorgeschaltet, das „e-G8-Forum“. Zum erstenmal überhaupt wird die Informationstechnologie auch formal auf der Agenda der Staatsoberhäupter der USA, Englands, Deutschlands, Frankreichs, Italiens, Kanadas, Italiens, Japans, Russlands stehen.

„Das Internet zivilisieren“

Allein der Umstand, dass dies alles auf eine Initiative von Nicolas Sarkozy zurückgeht, lässt Schlimmes befürchten. Wann immer sich der Präsident Frankreichs nämlich bisher mit dem Internet näher beschäftigt hat, sind Überwachung und Internetsperren dabei herausgekommen.

„Zivilisierung“

Seitens EU-Kommission und Ministerrat ist ein neuer Versuch (IPRED2) angelaufen, private Filesharer mit kriminellen Geschäftemachern gleichzustellen. Überwachungs- und Sperrverpflichtungen für Internetprovider stehen damit wieder im Raum.

Am Beginn seiner G8-Präsidentschaft hatte Sarkozy mehrmals öffentlich erklärt, er werde sich in dieser Rolle dafür dafür einsetzen, das „Internet zu zivilisieren.“

Wie das Frankreich (nicht) funktioniert, ist hinlänglich bekannt. Internet-Provider müssen auf Zuruf durch die Medien- und Unterhaltungsindustrie ihre Kunden abmahnen, wenn ein (behaupteter) Verstoß gegen die Urheberrechte vorliegt. Beim dritten, gemeldeten Vorfall wird der Internetzugang abgedreht.

„High-level Community

Die Ergebnisse des Internetgipfels sollen in die darauf folgenden Beratungen der G8-Staatslenker einfließen, teilnehmen wird eine „high-level community“, bestehend aus „CEOs, Technologieexperten, jungen Unternehmern, Innovatoren und Bloggern.“

Die erst vor wenigen Tagen vorgelegte Gästeliste verzeichnet neben Mark Zuckerberg (Facebook), Eric Schmidt (Google), Jeff Bezos (Amazon) und anderen Größen der Internet-Branche auch Medien-Tycoons wie Rupert Murdoch und Arthur J. Sulzberger, Herausgeber der New York Times.

Lawrence Lessig, Jimmy Wales

Kritische Töne sind allenfalls von Harvard-Professor Lawrence Lessig und Wikipedia-Gründer Jimmy Wales zu erwarten, falls sie denn zu Wort kommen. Mit der Organisation des Events hat Sarkozy nämlich die Werbeagentur Publicis betraut, der seit September Sarkozys jüngerer Bruder Francois als Topmanager angehört.

Finanziert werde der Internet-Gipfel aus dem „privaten Sektor“ heißt es in der Ankündigung. Die französische Regierung stellt zwar die feine Location in den Tuilerien zur Verfügung, die Kosten werden jedoch von den geladenen Unternehmen und ihrem Umfeld eingetrieben.

Ab 100.00 Euro ist man dabei

Die Rede ist von 100.000 Euro als Mindestbeitrag, wie die Pariser Tageszeitung La Tribune berichtet hat. Bis zu einer halben Million Euro soll der Titel eines „Co-Chairman“ kosten, wer diese Summen hinlegt und wer „ehrenhalber“ geladen ist, wird nicht verraten.

Für eine internationale Konferenz dieser Größenordung und Besetzung sind wenige Tage vor ihrer Eröffnung ungewöhnlich wenige Details bekannt. Die Liste mit den prominenten Teilnehmern ist erst vor wenigen Tagen en bloc bekannt gegeben worden, wer auf welchem Panel der zweitägigen Konferenz welche Rolle spielt, ist immer noch nicht bekannt.

Sarkozy als Fixpunkt

Die einzigen mit Namen versehenen Fixpunkte im Programm sind die Eröffnungs-Keynote von Maurice Levy, dem CEO der Publicis Gruppe und Chairman der Konferenz. Eröffnen wird sie natürlich Nicolas Sarkozy, sonst wurden nur die recht allgemein gehaltenen Themen der Podiumsdiskussionen veröffentlicht. Eines der erklärten Hauptthemen der Konferenz – und Lieblingsthema Sarkozys – steht gleich am ersten Konferenztag auf der Agenda: „Geistiges Eigentum im digitalen Zeitalter“.

Die offizielle Homepage des e-G8-Gipfels enthält denkbar wenig Information. Der offizielle Twitter-Feed hat nach 14 Tagen gerade einmal 20 Postings aufzuweisen.

Bei soviel Nebulosität tun sich die Kritiker naturgemäß schwer. Die französischen „La Quadrature du Net“ bezeichnet die Öffentlichkeitsarbeit rund um „e-G8“ als „Vernebelungsstrategie“, bei der die Öffentlichkeit bewusst getäuscht werde.

Die alternative Möglichkeit von Unprofessionalität ist angesichts des Organisators sehr unwahrscheinlich, zumal die Publicis-Gruppe seit Jahren für die Organisation und Öffentlichkeitsarbeit der Davoser Weltwirtschaftstreffen verantwortlich ist.

La Quadrature und mehrere andere Gruppen haben jedenfalls zu „kreativen Aktionen“ aufgerufen, wie diese aussehen werden, es derzeit ebenso unbekannt, wie die Finanzierung von „e-G8“.

Quelle : http://fm4.orf.at