Sie haben einen festen Job und kommen finanziell trotzdem kaum über die Runden: die „Working Poor“. Was früher nur aus den USA bekannt war, gibt es auch in Deutschland. Nach verschiedenen Studien ist ein einstelliger Prozentsatz der Bevölkerung betroffen.Noch.

Rhein-Berg – „Acht Jahre nach Ende der Lehre habe ich das erste und bisher einzige Mal richtig Urlaub gemacht“, erzählt Sabine. Die 32-Jährige ist Friseurin. Vor zehn Jahren hat sie ihre Gesellenprüfung gemacht. Seitdem versucht sie jeden Monat, mit ihrem Lohn über die Runden zu kommen – keine einfache Aufgabe.

Nach einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sind etwa fünf Prozent der Bevölkerung Deutschlands von Armut gefährdet oder betroffen – trotz Vollzeitjob. So wie Sabine versuchen viele Menschen Monat für Monat, ihre Existenz zu sichern. Offiziell liegt das Existenzminimum der Einkommensteuer für eine alleinstehende Person bei 7664 Euro. Das entspricht einem monatlichen verfügbaren Einkommen von knapp 640 Euro. Vor allem in den Niedriglohnsektoren arbeiten viele Angestellte für einen Hungerlohn und müssen trotz Vollzeitbeschäftigung am Ende des Monats auf vieles verzichten.

Mit ihren 993 Euro Nettolohn liegt Sabine noch über dem, was das statistische Bundesamt als notwendig zum Leben ansieht. Für ein sorgenfreies Leben reicht es trotzdem nicht. „Zu den 993 Euro kommen noch etwa 200 Euro Trinkgeld im Monat“, weiß Sabine. Zusätzlich dazu verdient sie nebenher noch etwa 150 Euro im Monat. Macht in der Summe 1343 Euro.

Mann suchen – Kinder kriegen

„Kaum eine Friseurin kann es sich leisten, nicht nebenher zu arbeiten“, erzählt sie aus Erfahrung und bemerkt auch: „Der typische Lebensweg einer Friseurin sieht so aus: Lehre, ein paar Jahre arbeiten, heiraten, Kinder kriegen, dann entweder in den Beruf zurück oder der Mann verdient genug.“ Inzwischen sei sie soweit, dass sie gerne heiraten würde. Aber auch das koste Geld.

Auch Julia weiß, was es heißt, von der Hand in den Mund zu leben. Die 25-Jährige ist gelernte zahnmedizinische Fachangestellte und hat 2005 ihre Ausbildung abgeschlossen. Ihr monatliches Nettoeinkommen beträgt 1168 Euro bei einer 37-Stunden-Woche. Mit den 20 640 Euro brutto im Jahr liegt auch sie über der eigentlichen Grenze des Existenzminimums.

Große Sprünge kann sie sich trotzdem nicht erlauben. Den größten Teil ihrer Ausgaben macht die monatliche Miete in Höhe von 405 Euro aus. Dazu kommen Strom (35 Euro), Rente (166 Euro) und Lebensmittel (etwa 150 Euro). Die monatliche Rate für den Gebrauchtwagen beträgt 105 Euro, Benzin kostet sie monatlich etwa 80 Euro. Für Freizeitbeschäftigungen gibt sie allerhöchstens 100 Euro im Monat aus, das Fitnessstudio kostet zwölf Euro in der Woche.

Neue Kleidung darf allerhöchstens 50 Euro im Monat kosten. Dazu kommen noch Beträge wie Versicherung und Steuer für das Auto (etwa 30 Euro monatlich) sowie GEZ, ADAC und Haftpflichtversicherung (zusammen etwa 110 Euro), die einmal im Jahr fällig werden. Geld, das sie am Ende des Monats sparen könnte, etwa für einen Bausparvertrag oder ein Tagesgeldkonto, bleibt nicht übrig.

Oft ist am Ende des Geldes noch sehr viel Monat übrig. Ins Kino oder feiern gehen ist dann nicht mehr drin. Einen genauen Überblick, wie viel vom Gehalt am Ende des Monats übrig bleibt, hat Julia nicht. „Wenn, dann ist es nicht viel“, gesteht sie.Trotzdem ist Julia mit ihrem Job zufrieden. „Eigentlich möchte ich nicht woanders arbeiten“, sagt sie. Das Betriebsklima sei gut, die Kollegin nett. Einen Grund, ihre berufliche Situation zu ändern, sieht sie nicht. „Wenn ich mal schwanger werde, kommt die Veränderung schon früh genug“, ahnt die 25-Jährige. „Dann kann ich nicht mehr im Behandlungsraum arbeiten und wer weiß, ob ich direkt nach der Geburt weiter arbeite oder erst nach drei Jahren und ob meine Stelle dann noch frei ist?“, fragt sie sich.

Auch für Friseurin Sabine ist der Monat oft lang. Von den etwa 1343 Euro, die ihr zur Verfügung stehen, gehen zunächst Miete (377 Euro), diverse Versicherungen (zusammen etwa 130 Euro), Riesterrente (26 Euro), private Rente (70 Euro), vermögenswirksame Leistungen (40 Euro) und Lebensmittel (etwa 160 Euro) runter. Zudem zahlt sie monatlich mit 190 Euro ihr Auto ab und gibt etwa 200 Euro im Monat für Benzin aus. Ausgaben hat sie außerdem für das Handy (circa 40 Euro), Versicherung und Steuer für das Auto (etwa 30 Euro im Monat) sowie die Raten für Spülmaschine, Trockner und Sofa (zusammen 52 Euro im Monat). Das Fitnessstudio kostet sie 18 Euro im Monat und alle drei Monate gibt sie etwa 50 Euro für neue Kleidung aus. Für die Freizeit bleiben ihr höchstens 30 Euro im Monat.

Einmal im Jahr bezahlt sie etwa 200 Euro für neues Werkzeug. Dafür, dass Sabine eine 40-Stunden-Woche hat, bleibt am 30. jeden Monats ein verschwindend geringer Betrag auf dem Konto übrig. „An mein Konto gehe ich gar nicht ran“, sagt sie. Alles, was sie zahlen muss, werde abgebucht. „In meinem Portemonnaie habe ich nur das Trinkgeld und das, was ich nebenher verdiene. Das muss reichen“, gesteht sie. Für eine kleine Familie bleibt da kaum Geld.

Mit ihrem Job an sich ist Sabine zufrieden. Wenn sie noch einmal vor der Berufswahl stünde, würde sie sich genau so wieder entscheiden. Der Kontakt zu Menschen mache den Beruf so interessant.

Vor allem im Rücken merkt sie jedoch die langen Arbeitstage. Oft hat sie so starke Rückenschmerzen, dass sie in keiner Position lange verharren kann. Gerade deswegen weiß die Friseurin auch, dass sie in diesem Beruf nicht alt wird. „Irgendwann muss ich mir einen anderen Job suchen“, weiß Sabine.Dass vor allem die Angestellten im Niedriglohnsektor kurz vor der Erwerbsarmut stehen, deckt sich mit der Erfahrung der Autorin bei einem Aushilfsjob in einer Bäckerei: Grundsätzlich hat der Angestellte eine halbe Stunde vor Beginn der Schicht da zu sein. Fünfzehn Minuten vor Beginn der Schicht fängt die Arbeit an – bezahlt wird erst ab Beginn der Schicht. Bei einem Lohn von gut 7,50 Euro Euro pro Stunde muss ein Angestellter schon viel arbeiten, um auf einen einigermaßen angemessenen Lohn zu kommen.

Doch dazu kommt es oft nicht. Eingestellt werden die Bewerber allerhöchstens auf einen 90-Stunden-Vertrag, Vollzeit arbeitet keiner in der Bäckerei. Viele Mitarbeiter haben nur einen 60-Stunden-Vertrag – als einzige Haupteinnahmequelle. Da sie oft kurzfristig kommen müssen, bleibt kaum Raum für einen zweiten Job. Auch sonst wird in der Filiale mit jedem Cent gerechnet: Stimmen die Stundenleistungen nicht, muss so lange unbezahlt Pause gemacht werden, bis die Einnahmen und Ausgaben wieder in einem vernünftigen Verhältnis stehen. Bleiben die Kunden aus, wird entschieden, wer früher nach Hause gehen muss. Und wer Pech hat, muss sonntags kommen und die Kasse abrechnen. Dafür wird eine halbe Stunde bezahlt, effektiv muss der Angestellte oft eine Stunde und mehr arbeiten.

Bei den meisten Mitarbeitern wird es gegen Ende des Monats finanziell eng. Allein wohnen kann fast keiner, denn mit einem durchschnittlichen Gehalt von 600 Euro bis 700 Euro netto ist eine volle Miete nicht allein zu bezahlen. Auto kaufen? Kommt nicht in Betracht. Urlaub? Fehlanzeige. Der Spruch „Gutes Geld für gute Arbeit“ wird so auf den Kopf gestellt. Dass es Berufe gibt, von denen man trotz Vollzeitbeschäftigung nicht leben kann, ist traurig, aber wahr. Die Amerikaner haben dafür einen treffenden Ausdruck: die „working poor“.

Quelle : http://www.ksta.de

Da verbringe ich den Tag doch lieber damit,unentgeldlich meinen Blog zu betreiben,da sagt mir wenigstens mein verstand nicht,was ich doch für ein Depp bin…

Arbeitet man,um zu leben,oder lebt man,um zu arbeiten???Und nebenbei gesagt,mit Kinderkriegen ist das Problem nicht behoben,obwohl ich genug Beispiele kenne,wo die Leute denken,das es so ist.

Aber denken sie das nur?

Nein!

Denn wie kann sonst eine Hartz4 Family,ohne das eine Partei arbeiten geht,sich ein Auto,einen Internetanschluss,einen Hund,noch nen Laptop,jeden Tag Gras für 10-30 Euro kaufen,obwohl der „Vater“ der Family pro Jahr mehr Zeit im Knast als in Freiheit verbringt.Und das alles auf Lasten der Kinder,die sich mit der ungewissen Zukunft herum zu schlagen haben.Perverser Bullshit!!!

Wenn ich als erwachsener Mensch mit meinem Leben nicht klarkomme,muss ich dann Kinder in diese kaputte,verlogene Welt setzen,damit ich auf Kosten meiner Kinder in den Genuss von „ehrenwertem Leben“ komme???Da lasse ich mich doch lieber mit der „Ehrenwerten Gesellschaft“ ein,oder?