Präsident Obama ist ahnungslos! Das ist die Meinung von Michael Scheuer, ehemaliger Kommandant jener Abteilung des US-Geheimdienstes CIA, deren Aufgabe es war, Bin Laden ausfindig zu machen. Während die Menschen des Westens glauben gemacht werden, es sei das Interesse von Islamisten, die westliche Kultur zu bekämpfen, richten sich deren Aktionen vielmehr gegen den westlichen Imperialismus, gegen die westliche Präsenz im Nahen und Mittleren Osten. Beim diesjährigen Literaturfest im walisischen Hay-on-Wye erklärte er den Konflikt mit der islamischen Welt als Produkt der amerikanischen Außenpolitik.

Der ehemalige CIA-Offizier Michael Scheuer kommandierte von 1996 bis 1999 jene Abteilung, die auf Osama Bin Laden angesetzt war. Nach den Terroranschlägen vom 11. September diente er bis 2004 als Berater. Im gleichen Jahr erschien sein Buch „Imperial Hubris“ (imperialistische Überheblichkeit). Obwohl anonym veröffentlicht, wurde Scheuer rasch als Autor „entlarvt“. Seine persönlichen Erfahrungen, Studien zur Person von Osama Bin Laden, seinen Anhängern und deren Zielen, vermitteln ein Bild, das keineswegs mit den üblichen Medienberichten übereinstimmt. Im Februar dieses Jahres erschien ein weiteres Buch von ihm, das den Titel „Osama Bin Laden“ trägt. Auch darin werden die Motivationen des mittlerweile getöteten Terroristen-Führers und seiner Gefolgschaft von einem neutralen Standpunkt beschrieben. Scheuer versucht zu überzeugen, dass radikale Islamisten niemals daran interessiert waren, die westliche Welt zu zerstören oder zu islamisieren. Es ging ihnen darum, ihre eigene Welt vor westlichen Einflüssen zu schützen.

In dem als Bücherdorf bekannten walisischen Ort Hay-on-Wye wird jährlich ein Literaturfest abgehalten, beim dem sich schriftstellerische Prominenz aus aller Welt einfindet. The Telegraph, von dem die Veranstaltung gesponsert wird, berichtet über Scheuers Auftritt.

Auf die Frage, welchen Rat er Präsident Obama übermitteln würde, erfolgt eine spontane Antwort: „Er soll die Wahrheit sagen“. Scheuer erklärte weiter: „Er, der erste Mr. Bush, Mr. Clinton und der zweite Mr. Bush haben das amerikanische Volk geflissentlich 20 Jahre lang belogen. Und das Ergebnis ist, dass sich in den Vereinigten Staaten die Beziehungen zwischen Muslimen und anderen Leuten viel schwieriger gestalten. Sie haben die Motivation unseres Feindes als Krieg gegen die Freiheit bezeichnet, als Krieg gegen die Gleichstellung der Geschlechter. Es wird kaum einen Muslimen geben, der verrückt genug ist, sich in die Luft zu sprengen, weil meine Töchter an die Universität gehen. Was ich in meinem Buch zu demonstrieren versuche ist, dass dieser Kultur-Krieg, der angeblich gegen uns geführt wird, von Bin Laden niemals angesprochen wurde.“

Scheuer äußerte sich, dass ein Präsident, der ein wahrer Staatsmann und Politiker wäre, sich dafür entschuldigen würde, dass das Volk zwei Jahrezehnte lang belogen wurde. Dass die Anschläge darauf zurück zu führen seien, dass der Westen bis vor kurzem im Nahen und Mittleren Osten Faschismus unterstützte. Nicht die Lebensweise im Westen sei der Anlass für Aversionen, sondern die westliche Präsenz auf der arabischen Halbinsel.

„Wir sind es, die einen Kultur-Krieg gegen sie durchführen“, erklärte der erfahrene CIA-Offizier weiter. Al-Kaida werde sich weiter entwickeln und die nächste Generation wird besser ausgebildet und vermutlich brutaler sein. Eine Ende dieses Konfliktes wäre, nach Scheuers Meinung, nur durch einen Rückzug aus den arabischen Regionen möglich. Die amerikanischen Beziehung zu Israel bezeichnete er wörtlich als „nutzlos und überflüssig“.

„Solange wir diese Rolle weiter spielen, sind wir es, die jene rekrutieren, die uns töten werden“, zitiert The Telegraph Michael Scheuer am Ende des Artikels.

Quelle : http://www.theintelligence.de