Ab heute geht es im St. Moritzer Nobelhotel «Suvretta House» für drei Tage geheim zu. Erste Anzeichen für die Verschwörungstheorien-umwobene Bilderberg-Konferenz sind Absperrungen am Tagungshotel, Sicherheitskräfte und Kritiker, die Stellung bezogen haben. Bisher angestaute Informationsbedürfnisse versuchen mehrere Gegenveranstaltungen abzudecken.

Auf dem nahegelegenen Flugplatz Samedan scheinen nicht mehr Privatjets gelandet zu sein als sonst. Und auch die erwartete Flotte von Luxuslimousinen blieb im Nobelkurort bisher aus. Nur vor dem Tagungshotel wurden einzelne Fahrzeuge mit dunklen Scheiben gesichtet.

Für ihr inoffizielles Treffen haben sich die Mächtigen dieser Welt das wohl förmlichste – manche sagen «aristokratischste» – Luxushotel in St. Moritz ausgesucht, das «Suvretta House». Es liegt etwas ausserhalb des Ferienortes in einem Park und ist von einem lockeren Nadelwald halbwegs vor neugierigen Blicken geschützt.

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Idyllisch und hochexklusiv, das Tagungshotel «Suvretta House» auf einer Anhöhe über St. Moritz. pd

Seit Mittwoch ist das schlossartige Gebäude von hüfthohen Absperrgittern umgeben. Dahinter patrouillieren Wachmänner einer privaten Sicherheitsfirma. Polizisten sind nur vereinzelt zu sehen.

Von einer hermetischen Abriegelung kann aber nicht die Rede sein. Der Absperrring ist eng um das Haus gezogen, Neugierige können bis auf wenige Meter an den Belle-Epoque-Bau heran. Neben einigen Pressefotografen harren dort rund 50 friedliche Aktivisten aus.

Kritiker berichten aus Pressezentrum

Mehrere Gruppierungen verfolgen jede Regung der Bilderberger. Auf den Webseiten Externer Linkinfo8.ch, Externer Linkalles-schallundrauch.com und Externer Linkwearechange.ch haben vor Ort ein Pressezentrum eingerichtet.

Die Kritiker der Geheimkonferenz haben ebenfalls Hotels bezogen, wenn auch nicht in derselben Preisklasse. Drei Gruppierungen haben unweit der Luxusherberge im Vier-Sterne-Haus «San Gian» ein Pressezentrum eingerichtet.

Im Drei-Sterne-Hotel «Randolins» sind am Freitag Gegenveranstaltungen geplant. Mit von der Partie ist die Junge SVP; auftreten werden die SVP-Nationalräte Lukas Reimann und Pirmin Schwander. Laut dem Präsident der Jungen SVP des Kantons Luzern, Anian Liebrand, ist auch Nationalrat Dominique Baettig (SVP/JU) als Überraschungsgast geplant.

Kampf gegen Bilderberger

Der jurassische Nationalrat Dominique Baettig schiesst seit Monaten aus allen Rohren und reichte eine Interpellation zur Konferenz ein. Darüber hinaus hat Baettig mehrere kantonale Staatsanwälte aufgefordert, verschiedene mögliche Teilnehmer wegen früherer politischer Machenschaften bei einer allfälligen Schweizer Einreise verhaften zu lassen, so unter anderen den ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush.

Bereits über 100 Anmeldungen seien eingetroffen und «es werden immer mehr», sagt Liebrand gegenüber «tagesschau.sf.tv». «Die Veranstaltung will Transparenz schaffen: Wir wollen aufzeigen, welche Auswirkungen die Bilderberg-Konferenzen haben.» Dabei gehe es nicht um Verschwörungstheorien, sondern um belegte Fakten. Am Ende soll eine Resolution verabschiedet werden, die dem Bund übergeben werden soll.

Auf der anderen Seite des politischen Spektrums haben die JUSO für Samstag zu einer bewilligten Kundgebung auf dem St. Moritzer Dorfplatz aufgerufen. JUSO-Schweiz-Präsident David Roth und Lukas Horrer, Vorsitzender der JUSO Graubünden, sind als Redner angekündigt. Die Veranstaltung läuft unter dem Label: «Demokratiekongress.»

Doris Leuthard unter den Teilnehmern

Die Bilderberg-Konferenz steht regelmässig in der Kritik. Für die einen ist sie eine Art «Weltregierung», andere halten das jährlich stattfindende Treffen für einen überholten und elitären Gesprächszirkel. Klar ist einzig, dass wechselnde, einflussreiche Persönlichkeiten aus Politik, Adel, Wirtschaft, Militär und Medien teilnehmen.

Wie bei allen Bilderberg-Konferenzen wird die Liste der Teilnehmer erst nach der Veranstaltung bekanntgegeben. Bestätigt ist bisher nur die Teilnahme von Bundesrätin Doris Leuthard. Von Seiten des Kantons Graubünden sind Regierungspräsident Martin Schmid und Justizdirektorin Barbara Janom Steiner eingeladen worden.

(sf/sda/hues)

Quelle : http://www.tagesschau.sf.tv