09. 06. 2011 | Von: kh

tornado_gr4_RAFDie, der Öffentlichkeit unterbreiteten, Erklärungen für die Angriffe auf Libyen werden immer mehr zum Hohn. Soll es tatsächlich noch Menschen geben, die ernsthaft glauben, dass Tausende von Bomben- und Raketenabwürfen und der Einsatz von abgereichertem Uran dazu dienen könnten, die Bevölkerung des Landes zu schützen? Wie lautet der treffende Spruch, der schon zu Hippie-Zeiten entstand: „Fighting for peace is like fucking for virginity!“ „Warum haben Sie den Irak wirklich angegriffen“, wollte Helen Thomas von George W. Bush wissen. Warum wollen einflussreiche Kreise Gaddafi wirklich los werden? Zwar sind es in diesem Fall nicht Deutsche, doch die Bürger anderer EU-Länder tragen die mittlerweile beachtlichen Kosten für diesen Krieg.

Die in den verschiedenen Meldungen angeführten Zahlenangaben zu den bisher durchgeführten Luftangriffe auf Libyen sind nicht völlig identisch, reichen jedoch bis zu 10.000. Reuters Deutschland informiert, dass 1.800 Ziele getroffen wurden.

Wie die englische Ausgabe der Prawda wissen lässt, wurde bei 3.200 Einsätzen Uran-Munition eingesetzt. Bei abgereichertem Uran handelt es sich um eine radioaktive Substanz. Eine im Irak, vom englischen Wissenschaftler Dr. Christian Busby organisierte, Untersuchung führte zu dem Ergebnis, dass die Strahlenbelastung in der Umgebung der schwer umkämpften Stadt Falludscha deutlich höher liegt als in Hiroshima nach dem Abwurf der Atombombe.

In einem anderen Artikel der Prawda wird über die entstehen Kosten berichtet. Von 8.400 Einsätzen und Kosten pro Flugstunde von $ 50.000 ausgehend, errechnen sich allein für die Kampfflieger bisherige Ausgaben von 1,68 Milliarden Dollar. Zuzüglich Munition. Zuzüglich der Tomahawk-Raketen. Zuzüglich des restlichen Aufwandes. Wer immer die Nutznießer von Gaddafis Entmachtung sein könnten, getragen werden diese enormen Unkosten von der Bevölkerung jener demokratischer Staaten, die für den Bombenhagel auf Tripolis verantwortlich sind.

Als die ehemalige und legendäre Korrespondentin im Weißen Haus, Helen Thomas, Präsident Bush wiederholt gefragt hatte, warum er den Krieg gegen den Irak wirklich begonnen hatte, wurde sie von der ersten in die letzte Reihe verbannt. Eine Antwort, warum mehr als eine Million Menschen in diesem Land sterben mussten, wurde bis heute nicht gegeben. Auch wissen wir nicht wirklich, warum Afghanistan seit zehn Jahren unter NATO-Besetzung leidet und in diesem Fall sogar junge deutsche Soldaten ihr Leben lassen. Ungeachtet wie diktatorisch Saddam Hussein das Land regiert haben könnte, es wird kaum jemand annehmen, dass den Irakern die derzeitige Situation als angenehmer erscheinen könnte. Ob die afghanische Bevölkerung den Druck ausländischer Militärs einer Taliban-Regierung vorzieht, sei ebenfalls dahingestellt. Und was mögen die Menschen in Libyen von der dort durchgeführten „Befreiungsaktion“ halten?

Gewiss, aufgrund der unaufhörlichen Bombenangriffe kann allerdings erwartet werden, dass die Zahl der Gaddafi-Gegner in Libyen, wo zwischen den einzelnen Stämmen ohnehin schon immer Spannungen herrschten, ansteigen wird. Sarkozy, Cameron und Obama sind weit weg. Somit steigt der Unmut gegen jenen Mann, dem es nicht gelungen ist, diese Angriffe zu verhindern.

Genießen die Menschen in Tunesien und Ägypten mittlerweile wirklich ein besseres Leben als vor den Revolutionen?

Zu den bisherigen Nutznießern der Spannungen im arabischen Raum zählt in erster Linie die Öllobby. Immerhin kletterte der Preis pro Fass von rund 80 auf fast 120 Dollar. Für ein arabisches Volk haben sich die Ereignisse im Nahen Osten allerdings als profitabel erwiesen. Um sicher zu stellen, dass sich seine Untertanen zu keinem Aufstand aufstacheln lassen, verteilte König Abdullah von Saudi Arabien nicht weniger als 130 Milliarden Dollar. Wer würde einen derart großzügigen König durch eine demokratische Regierung ersetzt haben wollen?

Quelle : http://www.theintelligence.de