Als Reaktion auf die Schließung von Kino.to hat Anonymous die Seite der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen angegriffen. Außerdem hat die Gruppe aus Protest gegen geplante Zensurmaßnahmen die Website einer türkischen Behörde lahmgelegt. Inzwischen befasst sich auch die Nato mit der Gruppe.

Die Gruppe Anonymous hat nach eigenen Angaben die Seite der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) lahmgelegt. Die Distributed-Denial-of-Service-Attacke (DDoS) ist eine Reaktion auf die Schließung des Angebotes Kino.to. Außerdem hat sich die Gruppe mit der türkischen Regierung und der Nato angelegt.

 

In einem Video, das unter anderem über die Facebook-Gruppe RIP Kino.to verbreitet wurde, bekennt sich die Gruppe zu dem Angriff. Kino.to war eine Suchmaschine gewesen, mit der Nutzer kostenlos im Netz nach Filmen suchen konnten. „Das Betreiben einer Suchmaschine für Videos ist nach unserem Ermessen nicht illegal“, erklärt die Gruppe. Die Seite der GVU war am Freitag jedoch erreichbar.

Regierung abschalten

„Wir verurteilen es zutiefst, dass der Staat Teile des Internets abschaltet. Somit wurde die Freiheit des Internets erneut von staatlicher Seite her angegriffen und ein weiterer Schritt in Richtung Zensur beschritten“, heißt es in dem Video, das offensichtlich per Sprachsynthese erzeugt wurde. Die Reaktion folge dem Motto: „Deine Regierung schaltet das Internet ab? Schalte Du Deine Regierung ab.“

Operation Turkey

In der Türkei hat die Gruppe die Seite der Telekommunikationsbehörde TIB ebenfalls per DDoS lahmgelegt. Mit der Operation Turkey protestiert die Gruppe gegen neue Maßnahmen zur Regulierung der Internets. Die Aktion begann am Donnerstagabend 20 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit. Die Seite der TIB war am Freitag nicht erreichbar.

Die türkische Regierung habe in den vergangenen Jahren immer wieder die freie Meinungsäußerung im Internet behindert, indem sie tausende Websites und Blogs gesperrt oder Onlinejournalisten mundtot gemacht habe. Für August hat die Regierung die Einrichtung eines Filtersystems angekündigt. Nach Angaben der Behörden handelt es sich dabei um eine Maßnahme zum Jugendschutz. Nutzer befürchten jedoch, dass die Filter es dem Staat ermöglichen, das Internet zu kontrollieren. Die Ankündigung hat in der Türkei Proteste ausgelöst.

„Diese Aktionen sind unentschuldbar. Zugang zu und Teilnahme am freien Fluss der Informationen sind ein Menschenrecht. Anonymous wird nicht untätig sein, während die türkische Regierung dieses Recht verletzt“, heißt es in einer Mitteilung der Gruppe.

Warnung an die Nato

Inzwischen befasst sich sogar die Nato mit Anonymous. In einem aktuellen Bericht des Bündnisses zur Cybersicherheit wird Anonymous im Abschnitt über Hacktivismus als „bekannteste Gruppe von Onlinehackern“ bezeichnet, die immer besser werde. Allerdings würden bereits Gegenmaßnahmen entwickelt, um die Gruppe zu infiltrieren und der Mitglieder habhaft zu werden.

In einer Nachricht an die Nato hat Anonymous einige seiner Aktionen, etwa die Operation Payback oder den Hack des US-Sicherheitsunternehmens HBGary, verteidigt. „Anonymous akzeptiert nicht, dass die Regierung und/oder das Militär das Recht hat, über dem Gesetz stehen und das faule Klischee der ’nationalen Sicherheit‘ dazu zu nutzen, illegale und betrügerische Aktionen durchzuführen“, schreibt die Gruppe – hier in der Version aus dem Google-Cache; die Seite der Gruppe ist ihrerseits zurzeit nicht erreichbar. Die Nato fürchte Anonymous nicht etwa, weil die Gruppe eine Bedrohung für die Gesellschaft darstelle, sondern „weil wir eine Bedrohung der bestehenden Hierarchie sind“.

Die Nachricht endet mit einer Warnung. Die Nato solle nicht den Fehler machen, die Gruppe herauszufordern, heißt es mit dem üblichen Pathos. „Macht nicht den Fehler zu glauben, Ihr könntet eine kopflose Schlange enthaupten. Wenn Ihr der Hydra einen Kopf abschlagt, wachsen an seiner Stelle zehn nach. Wenn Ihr einen Anon fangt, werden sich uns zehn weitere anschließen aus Ärger darüber, wie Ihr Dissenz mit Füßen tretet.“

Quelle : http://www.golem.de