Ein Düsseldorfer in Libyen

Während gerade über Libyen NATO-Bomben fallen, wittert die Düsseldorfer Sicherheitsfirma I.S.O. Security dicke Geschäfte. Die mehrfach durch Übergriffe ihrer Mitarbeiter_innen berühmt-berüchtigte Firma des ehemaligen Polizeibeamten Bernd Roll hat auch schon zuvor Geschäfte mit dem Despoten Muammar Al-Ghaddafi gemacht. Roll setzt zwar Anfang März noch auf den Sieg von Ghaddafis Truppen, doch er wittert auch neue Kooperationsmöglichkeiten mit den eventuell siegreichen aufständischen Rebell_innen.

Offenbar scheint Bernd Roll sehr naiv zu sein, wenn er wirklich glaubt, dass bei einem Sieg der Rebellen diese ihn mit offenen Armen empfangen werden. Schon lange hat die Düsseldorfer Firma I.S.O. Security geschäftliche Beziehungen zum libyschen Regime. Dabei ist das frühere Sponsoring der libyschen Fussballnationalmannschaft, deren link bis heute auf der Internetseite zu finden ist, noch das harmloseste. So tauchte der Name I.S.O. Security 2005 im Zusammenhang eines außenpolitischen Skandals auf, als bekannt wurde, dass 30 ehemalige deutsche Poliziste_innen von den Sondereinsatzkommandos GSG-9 und SEK in Tripolis waren, um – natürlich rein privat – Ghaddafis Spezialeinheiten zu schulen, unter anderem in „taktischem Vorgehen beim Zugriff auf Gebäude“, im Entern von Schiffen und im Absetzen aus Hubschraubern. Sowohl der BND wie auch das Auswärtige Amt waren über alle Aktivitäten informiert. Kurz nach den Presseberichten verschwand auf den Internetseiten der Hinweis auf ehemalige Polizeiausbilder_innen, die bei I.S.O. Security arbeiten (siehe TERZ 05.08).

Regelmäßig musste die TERZ über diese feine Security-Firma berichten (ausführlicher Bericht TERZ 12.04), die auch weiterhin beispielsweise für die Rheinbahn arbeitet. Immer wieder gab es auch in anderen Zeitungen Artikel zu Übergriffen der I.S.O.-Leute. Geärgert haben dürfte Bernd Roll, dass bei Suchangaben im Internet zu seiner Firma kritische Artikel der TERZ immer mit als erstes auftauchten. Er ging 2000 gerichtlich gegen die TERZ vor. Um einen langen und teuren Rechtsstreit zu vermeiden, waren wir damals gezwungen, in einem Online-Artikel Textänderungen vorzunehmen.

Trotz oder wegen der Querelen in Düsseldorf baute Roll seine Kontakte zu Ghaddafis Regime aus. In der NRZ vom 4. März 2010 brüstet er sich mit seinen Kontakten zu Ministern, Entscheidungsträgern und anderen Persönlichkeiten. Seine Hoffnung, nun auch mit den Rebell_innen zusammenzuarbeiten, beruht auf dem ehemaligen Innenminister Abdel Fatah, der sich angeblich dem Widerstand gegen Ghaddafi angeschlossen hat und zu dem Bernd Roll, nach eigenen Angaben, beste Beziehungen hat. Erst im Januar traf er ihn in Libyen. Damals ging es sicherlich noch nicht um die Rebell_innenbewegung, sondern wahrscheinlich eher darum, wie man diese stoppen kann. Das liegt in der Natur seiner Sache. Als Vorstandsvorsitzender des Wirtschaftsvereins „Libyan-German Chamber of Industry and Commerce“ hat Bernd Roll Interesse daran, dass Ruhe in Libyen herrscht, damit ungestört Geschäfte gemacht werden können. Als Vorstandsvorsitzender mit eigenen wirtschaftlichen Interessen in Libyen vermittelte er bisher Geschäftsbeziehungen dorthin. Im Jahr 2009 fand ein deutsch-libyscher Wirtschaftstag bei der Deutschen Bank in Berlin statt, federführend organisiert von dem „Libyan-German Chamber of Industry and Commerce“. Vortragende waren nicht nur der Botschafter Libyens und natürlich Bernd Roll, sondern auch hochrangige deutsche Politiker_innen und Wirtschaftsleute. Schon seit Jahren pflegt Deutschland beste Handelsbeziehungen zu Libyen und ist nach Italien Libyens wichtigster Handelspartner. Im Gegenzug fand im Mai 2009 eine deutsch-libysche Wirtschaftstagung in Tripolis statt. Eröffnet wurde diese von dem damaligen Dr. Karl Theodor Freiherr zu Guttenberg, der die wachsenden Wirtschaftsbeziehungen zu Ghaddafis Libyen lobte. Auch nach den Zahlen der IHK Düsseldorf bestand bis vor kurzem reger Handel mit Libyen. Allein zwischen Januar und November 2010 wurden Güter für 152 Millionen aus NRW exportiert und für 47 Millionen Euro Öl und Gas importiert.

So findet sich auch heute noch auf der Internetseite des Vereins ein Artikel aus dem Jahre 2009 mit dem schönen Titel „Libyen – Ein krisensicherer Markt“. Das ist im Moment wohl vorbei. Denn heute wollen westliche Politiker_innen von dem Despoten nichts mehr wissen und lassen den bis vor kurzem noch hochgeschätzten Handelspartner lieber bombardieren. Falls die Rebell_innen gewinnen sollten, was noch lange nicht klar ist, dann ist nur zu hoffen, dass der treue Gefolgsmann Bernd Roll und seine Firma I.S.O. Security nicht zu den Kriegsgewinnlern gehören, sondern hochkant aus dem Land geschmissen wird.

 Quelle : http://www.terz.org