Na da schau her. Noch ganz die alten guten Sitten und Gebräuche. Möchte man als Frau eine Audienz beim Papst, was an sich für Otto Normalverbraucher unmöglich ist, dann als Frau aber nur mit Kopftuch. Und da regt man sich über den Islam auf. Auf irgendeinem Radiosender habe ich heute gehört, dass er die Bischöfin von Erfurt, Ilse Junkermann, sogar ohne Kopftuch, der Sprecher sagte „unverschleiert“, empfangen darf. Also auf Augenhöhe von Bischof zu Bischof sozusagen. Das heißt dann also, dass der Papst mit Frauen, die zur Zeit mal nicht evangelische Landesbischöfin sind, eher von oben herab kommuniziert. Und ich dachte immer irgendwo in den Menschenrechten steht geschrieben, dass wir alle gleich sind. Anscheinend ein kleiner religiöser Irrtum meinerseits. Kann ja mal vorkommen. Aber auch da fällt wieder eine kleine Parallele zwischen Islam und römisch-katholisch auf: Religiöse Gesetze, oder solche die man dafür hält, stehen über allen menschlichen Gesetzen. Deswegen steht die Scharia über den Menschenrechten und so manche Kirchenverordnung über unserem Grundgesetz.

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So darf ein katholischer Kindergarten ohne Weiteres die Bewerbung einer nicht-katholischen Erzieherin, oder eines Erziehers ablehnen. Ich hatte da mal etwas von einem Gleichstellungsgesetz gehört. Aber, wie schon beschrieben, für anerkannte Kirchen gilt das nicht. Leider nur für anerkannte Kirchen. Nachdem Siemens zum Beispiel schon eine eigene Bank hat, könnte man ja auch eine firmeneigene Kirche gründen. Die wäre dann aber nicht anerkannt, und täte sich mit der Anerkennung in den nächsten 500 Jahren auch sehr schwer. Aber wenn es die Kirche zu St. Siemens denn gäbe, dann könnte Siemens beschließen nur noch Zeugen Jehovas einzustellen. Aufgrund deren Sekundärtugenden, Fleiß, Pünktlichkeit, Ordnungsliebe, Gehorsam, hätte man nämlich dann bald die fleißigste Arbeiterschaft der Welt. Global, sozusagen. Und alle Menschenrechte, Arbeitsrechte und Grundgesetze können daran, zumindest in Deutschland, nichts ändern.

Von wegen Trennung von Kirche und Staat.

Interessant wäre auch die Überlegung, was denn jetzt passieren würde, wenn wir in Deutschland ein Kopftuchverbot hätten. Dann müsste wohl der Papst verknackt werden. Immerhin zwingt er Frauen dazu, ein Kopftuch zu tragen. Kann der froh sein, dass das Kirchenrecht immer noch über dem weltlichen Recht steht.

Quelle : http://www.theintelligence.de